Florian Keller redet nicht drum herum: Der Eingliederungszuschuss von der Arbeitsagentur hat die Sache leichter gemacht, als es darum ging, Sebastian Gräßel bei der
Pass- Stanztechnik AG in Creußen anzustellen. Für ein Jahr übernimmt die Agentur die Hälfte der Lohnkosten. „Aber eines ist auch ganz klar“, so der Leiter der
Produktion und Entwicklung, „Sebastian ist für uns ein wertvoller Mitarbeiter, der seinen Teil zur Wertschöpfung beiträgt“.
Eigentlich hat Sebastian Gräßel an diesem Vormittag frei. Irgendwer hat vergessen, ihn von dem Pressetermin zu informieren. „Kein Problem“, sagt er am Telefon. „Ich
bin gleich da“. Für seine freundliche und unkomplizierte Art mögen sie ihn hier bei der Creußener Firma, die Werkzeuge für das blechverarbeitende Gewerbe herstellt und
in diesem Geschäft für Sonderlösungen ist. Das ist viel wichtiger als die Tatsache, dass der 23- Jährige, der CNC- Fräsmaschinen bestückt, hörbehindert ist.
„Sebastian hat seine Schwächen“, sagt Produktionsleiter Keller. „Aber er ist sehr lernbereit und erreicht fast dieselben Ergebnisse wie andere Mitarbeiter.“
Bevor er zur Pass- Stanztechnik kam, absolvierte Sebastian Gräßel beim Berufsbildungswerk in Rummelsberg eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum Industriefachhelfer. „Das war
extrem hilfreich“, sagt Keller. „Und auch, dass Sebastians Betreuer aus Rummelsberg mit mir Kontakt aufgenommen hat, war gut. Das ging Hand in Hand.“
Richtiger Zeitpunkt
Sebastian Gräßel hat den richtigen Zeitpunkt erwischt. „Wir hatten einen guten Mitarbeiter gebraucht“, sagt Pass- Vorstandschef Michael Bauer. 124 Mitarbeiter zählt
sein Unternehmen inzwischen und alle haben unbefristete Verträge. Die Ausbildungsquote liegt bei 20 Prozent. „Wir bilden nicht aus, um die jungen Leute anschließend nicht zu
übernehmen.“ Das Unternehmen wächst und es braucht gute Mitarbeiter in Produktion, Verwaltung und technischen Produktdesign.
Dass der 23- jährige Sebastian Gräßel inzwischen fest zum Pass- Team gehört, hat auch die Arbeitsagentur ermöglicht. Aus ihren Mitteln wurde seine Ausbildung bezahlt. Aus
ihren Töpfen stammt das Geld für ein Hörgerät, das auch die Sondersituation einer Industriehalle berücksichtigt. Und die Agentur bewilligte den
Eingliederungszuschuss.
Sebastian Gräßel hat jetzt die Chance, sein Leben selbst in die hand zu nehmen.
Arbeiten und Geld verdienen will er. „Und wenn es dann langt, dann kauf ich mir ein neues Auto.“
Info: An Behinderten und Menschen mit Einschränkungen geht der aktuelle Aufschwung auf dem regionalen Arbeitsmarkt vorbei. Mit der Serie „Die Starken“ zeigte der Kurier, wie
leistungsfähig und motiviert diese Menschen ihre Arbeit anpacken.
Nordbayerischer Kurier vom 8. Dezember 2011